Zur Person
Benjamin F. Brägger ist seit über 30 Jahren im System des Freiheitsentzugs Schweiz tätig – als Führungskraft in Strafanstalten, als Amtsleiter eines kantonales Amtes für Justizvollzug sowie als Dozent an verschiedenen Universitäten.
Als promovierter Jurist mit Weiterbildungen in Führung und Management, Coaching und Change-Management sowie Kommunikation verbindet er fundiertes theoretisches Grundlagenwissen mit den Anforderungen der Praxis
Inhalt
Diese Episode von The Criminology Cast beschäftigt sich mit dem Thema Gefängnisse und Strafvollzug. Der Justizvollzugsexperte Benjamin Brägger, Jurist und langjährige Führungskraft im Schweizer Strafvollzug, gibt einen umfassenden Einblick in die Strukturen, Herausforderungen und gesellschaftlichen Fragen rund um den Freiheitsentzug.
Die Diskussion beginnt mit der Frage, ob die Bedeutung von Gefängnissen in der Schweiz zunimmt und wie sich die Inhaftierungszahlen in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben. Während die Zahl der Insassen stetig steigt, nimmt die Anzahl der Justizvollzugsanstalten ab – ein Trend, der zur Zentralisierung und Professionalisierung des Strafvollzugs beiträgt. Doch wie wirkt sich diese Entwicklung auf das System und die Insassen aus?
Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist die Rolle der Gefängnisse in der Gesellschaft. Sind sie lediglich Orte der Strafe oder auch Institutionen der Resozialisierung? Brägger erläutert, warum Gefängnisse trotz Resozialisierungsanspruch in vielen Fällen nicht verhindern, dass Insassen rückfällig werden. Zudem wird die Frage aufgeworfen, ob Gefängnisse als „Kriminalitätsschulen“ fungieren, in denen Insassen voneinander lernen und sich kriminelle Subkulturen entwickeln.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die ethische und rechtliche Dimension des Strafvollzugs. Wo verlaufen die Grenzen zwischen legitimen Einschränkungen und übermässigen Eingriffen in Grundrechte? Wie rechtfertigt sich die oft besonders strenge Untersuchungshaft, in der Verdächtige unter harten Bedingungen einsitzen, obwohl sie noch nicht verurteilt sind? Auch das Problem der Überbelegung von Gefängnissen und deren psychologische Folgen werden thematisiert.
Darüber hinaus gibt Brägger spannende Einblicke in den Alltag von Gefängnispersonal. Welche Herausforderungen gibt es bei der Rekrutierung? Warum ist das richtige Mass zwischen Nähe und Distanz zu den Insassen so entscheidend? Und wie geht man mit problematischen Dynamiken um, etwa wenn Insassen Aufseherinnen manipulieren oder sich gar Liebesbeziehungen entwickeln?
Zum Abschluss wird der Blick in die Zukunft gerichtet: Gibt es langfristige Alternativen zum klassischen Gefängnis? Wird der Strafvollzug durch neue technologische Überwachungsmöglichkeiten abgelöst, oder bleibt der Freiheitsentzug auch in Zukunft das zentrale Mittel zur Bestrafung schwerer Straftaten?
Ein aufschlussreiches Gespräch über ein System, das für viele verborgen bleibt – aber eine zentrale Rolle in unserer Gesellschaft spielt.